Montag 27. April 2026

Schnellsuche auf der Website

Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub
01.10.2025

Predigt Missiogottesdienst der ReligionslehrerInnen

Die Predigt des Apostolischen Administrators Josef Grünwidl, zur Verleihung der Missio canonica auf Dauer an die ReligionslehrerInnen, am 1. Oktober 2025:

Hart und fordernd klingen die Worte Jesu an jene, die sagen: „Ich will dir nachfolgen, Herr!“ So macht er klar: Nachfolge ist kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein Weg hinauf nach Jerusalem, anstrengend und herausfordernd in jeder Hinsicht. Schöne Worte allein - „Ich will dir folgen, Herr, wohin du auch gehst!“ - sind da zu wenig. Jesus fordert Taten: alles zurücklassen, eine klare Entscheidung für ihn und seinen Weg treffen und nicht mehr zurückschauen. Jesus legt also die Latte hoch. Die Heilige des heutigen Tages, Therese von Lisieux, gehört zu denen, die den Weg der Nachfolge konsequent und radikal gegangen sind.

 

„Folge mir nach! Geh und verkünde das Reich Gottes!“, – diesen Ruf haben auch Sie verspürt, liebe Religionslehrerinnen und Religionslehrer, als Sie sich für diesen Beruf entschieden haben. Welche Voraussetzungen und Anforderungen gibt es für Ihren Weg der Nachfolge? Der Salzburger Religionspädagoge Anton Bucher hat es augenzwinkernd einmal so formuliert: Religionslehrerinnen sollten missionarisch wie Paulus, systematisch wie Thomas von Aquin und menschenfreundlich wie Maria Montessori sein.

 

Das klingt nach einer glatten Überforderung. Ich empfehle daher, die Vergleiche mit Paulus, Thomas von Aquin und Maria Montessori nicht ganz ernst zu nehmen, denn so waren sie vermutlich auch nicht gemeint. Ernst zu nehmen sind jedoch die drei Koordinaten für ihren Beruf: missionarisch, theologisch und menschenfreundlich.

 

Missionarisch: Ihre „Missionsreisen“ führen nicht wie bei Paulus nach Griechenland oder Kleinasien, sondern in die Schulen, in denen sie unterrichten. Was meint Mission?

 

Papst Paul VI. hat gesagt: „Der moderne Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Lehrer. Wenn er auf Lehrer hört, dann deswegen, weil sie Zeugen sind.“ Jedes Unterrichtsfach lebt von der Authentizität des Lehrers. Für den Religionsunterricht gilt das in ganz besonderer Weise.

 

Missionarisch sein heißt: Zeugin/Zeuge sein. Es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche zu überzeugen, sondern glaubwürdig und ehrlich Auskunft über den christliche Glauben und auch über andere Religionen zu geben.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Glauben immer mehr Wurzeln schlagen, damit Sie im Religionsunterricht Glaubenswissen auf der rationalen Ebene vermitteln und zugleich auch Zeugin und Zeuge des Glaubens sein können.

 

Die 2. Forderung: Theologisch gebildet und systematisch wie Thomas von Aquin sollen Reliogionslehrerinnen und Religionslehrer sein. Sie alle sind gut ausgebildet für ihren Beruf. Sie bringen theologisches und pädagogisches Fachwissen und jahrelange Berufserfahrung mit.

 

Ich bin überzeugt: Sie vermitteln jungen Menschen Theologie und Ethik nicht als trockenes Mehl, sondern als nahrhaftes Brot, und Sie haben Ideen und kennen Methoden, wie sie die Köpfe und Herzen der Schüler erreichen und ihnen Religion als echtes „Lebensmittel“ schmackhaft machen können.

 

Missionarisch wie Paulus, theologisch und systematisch wie Thomas von Aquin und zuletzt menschenfreundlich wie - ich nenne jetzt die Heilige dieses Tages: menschenfreundlich wie Therese von Lisieux. Sie erkannte, dass die Liebe ihre Berufung ist. Trotz heftiger innerer und äußerer Widerstände und Anfechtungen ist sie den kleinen Weg zur Heiligkeit, den Weg der Liebe, gegangen. Liebe heißt: sich selber schenken, hat die Hl. Therese gesagt.

 

Sie brauchen in ihrem Beruf Menschenfreundlichkeit und Liebe. Denn ein Lehrer kann nur das gut unterrichten, was er liebt. (Die fehlende Liebe ist bei mir der Grund, warum ich zB. nie Mathematik unterrichten könnte). Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren Beruf gern ausüben und als Berufung sehen. Den Schülerinnen und Schülern immer wohlwollend und menschenfreundlich begegnen, kann herausfordernd sein. Aber oft wird gerade bei so genannten verhaltensauffälligen und schwierigen jungen Menschen der Grundsatz gelten: Wenn ich deine Liebe und dein Verständnis am wenigsten verdiene, brauche ich es am dringendsten. Ich danke Ihnen, dass sie in der Schule für Kinder und Jugendliche, für Ihre Kolleginnen und Kollegen das menschenfreundliche Gesicht der Kirche sind!

 

Missionarisch, theologisch, menschenfreundlich – zu den drei Koordinaten für den Beruf als ReligionslehrerIn jetzt auch ein paar Worte der Ermutigung:

 

Der schulische Religionsunterricht ist alles andere als ein „Nebenfach“ oder ein kirchlicher Nebenschauplatz. Der Religionsunterricht ist ein wichtiger Baustein im Lehrplan, die religiöse Bildung ein existentieller Brennpunkt, in dem viele Aspekte für das Menschsein, für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und für die Bewahrung der Schöpfung - also für eine gute Zukunft der Menschen gebündelt sind. Denn was könnte notwendiger sein, als das Beispiel Jesu, als seine Worte und Taten? Was ist wichtiger, als jungen Menschen die Botschaft des Evangeliums nahezubringen und sie für die entscheidenden Lebensfragen zu begeistern: Woher? Wohin? Wozu?

 

Diese Feier mit der Verleihung der missio canonica auf Dauer soll für Sie ein Zeichen der Wertschätzung und Ermutigung sein. Im Namen der Erzdiözese Wien danke ich Ihnen, dass Sie sich für diesen Beruf entschieden haben.

Ich wünsche Ihnen: einen langen Atem und Freude im schulischen Alltag; ein gesundes Selbstbewusstsein, denn der Religionsunterricht ist alles andere als ein Nebenfach, und dass Sie für Kinder und junge Menschen gute Lehrerinnen und Lehrer und glaubwürdige Zeugen sind!