Liebe Schwestern und Brüder, die ihr euch auf die Aufnahme in die Kirche vorbereitet! Liebe Patinnen und Paten! Liebe Katechetinnen und Katecheten!
Ich habe mich auf diesen Gottesdienst sehr gefreut. Warum? Ganz einfach: Als ich in den Lebensgeschichten erfahren habe, wie bunt und vielfältig die Wege zum Glauben und zur Taufe sind, hatte ich den Eindruck: Ich schaue dem lieben Gott bei der Arbeit zu. Da ist Gott am Werk!
Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern, aus verschiedenen Kulturkreisen sind da. Bei einem war es das kleine Schutzengerl von der Oma, bei anderen ist es die katholische Ehefrau oder die beste Freundin, die den Anstoß gegeben haben; eine Begegnung mit Papst Franziskus oder eine Pilgerreise nach Lourdes; jemand hat geschrieben: Als ich in Griechenland eine orthodoxe Kirche betreten habe, war die dichte spirituelle Atmosphäre für mich eine Art Gotteserfahrung und Berufung; dann gab es auch die Erkenntnis: Ohne Christus ist mein Leben unvollständig; oder die Erfahrung: das Christentum hilft mir, dass ich endlich verzeihen und vergeben kann; und viele haben geschrieben die Bibel, das Lesen in der Heiligen Schrift oder das Mitleben in einer Gemeinde waren Beweggründe sich taufen zu lassen.
Ich bin überzeugt: In Ihrem Leben ist Gott am Werk! Da kann man Gott beim Arbeiten zuschauen! Das macht mich froh und diese Freude wünsche ich auch Ihnen allen von Herzen! Gott ist am Werk, er ruft euch, er führt euch, er segnet euch!
Und damit komme ich zur Lesung und zu Abram. Zieh fort aus deinem Land, verlass deine Heimat! – Ja, schön und gut, aber wohin soll ich gehen, Gott? Wohin führst du mich? – In das Land, das ich dir zeigen werde!
So beschreibt die Bibel den Weg des gläubigen Menschen. Die biblische Gestalt des Abram zeigt uns exemplarisch, was es bedeutet auf Gott zu vertrauen: weggehen, aufbrechen, das Alte, Vertraute loslassen, sich auf Gott einlassen und darauf bauen: Gott wird mir den Weg zeigen, er wird mich führen.
Weil Abram sich auf Gott eingelassen und ihm vertraut hat, schließt Gott mit ihm dann auch einen Bund und gibt ihm ein Versprechen und einen neuen Namen. Abram wird zum „Abraham“, das heißt: zum Vater der Menge, zum Stammvater und zum Segen der Gläubigen.
Aus Abram wird Abraham. Einige von euch, liebe Schwestern und Brüder, haben sich einen neuen Namen, einen Taufnamen ausgesucht und alle, die getauft werden, bekommen einen neuen Namen: wer getauft ist, nennt sich Christ, denn mit der Taufe übernehmen wir den Namen von Jesus Christus.
Die Taufe ist vergleichbar mit dem Aufbruch des Abram, der zum Abraham wurde, es ist der Beginn eines neuen Lebens und einer neuen Identität.
Die Taufe ist vergleichbar mit dem Bund, den Gott mit Abraham geschlossen hat. Es ist ein Liebesbund und ein Lebensbund, denn wer getauft wird, übernimmt nicht nur den Namen von Christus, er wird auf ewig verbunden mit Jesus Christus, mit seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung. Und diesen Lebensbund wird Gott nie aufkündigen, ganz egal was im Leben auch geschehen mag, und auch nicht im Tod.
Ein zweiter Gedanke: Weil Abraham aufgebrochen ist und sich auf Gott verlassen hat, wurde er gesegnet und zum Segen für viele. Bei der Eingliederung in die Kirche werdet ihr gesegnet im Zeichen des Kreuzes. Das Kreuz in seiner einfachsten Form ist wie ein mathematisches Zeichen ein Plus, Längsbalken und Querbalken.
Das bedeutet: vor euer Leben und euren Lebensweg setzt Gott das Kreuz als großes „Plus“, als Zusage und Versprechen: Ich lasse dich nicht allein, ich bin bei dir. Geh deinen Weg in diesem Vertrauen! Du bist gesegnet und du sollst zum Segen für andere werden!
Und noch ein Letztes: Glauben kann man nicht allein. Viele wurden durch Freunde, Bekannte oder in einer Gemeinde eingeladen sich mit dem Wort Gottes und dem christlichen Glauben zu beschäftigen. Den Patinnen und Paten, die heute da sind danke ich, dass sie diesen Dienst der Begleitung übernommen haben. Den Gemeinden, den Diakonen, Priestern und Pastoralassistenten, die euch begleiten, sage ich Dank.
Und ich bitte sie alle: Schauen wir aufeinander! Jetzt auf dem Weg zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche ist die Begleitung intensiv, das ist gut und notwendig. Mit der Taufe aber fängt alles erst an. Bleibt miteinander verbunden, wachst als Neugetaufte hinein in eine konkrete Pfarrgemeinde oder Gemeinschaft. Und auch die Pfarrgemeinden und kirchlichen Gemeinschaften bitte ich: Nehmt die Neugetauften herzlich auf, gebt ihnen Raum, begleitet sie weiter auf ihrem Weg!
Ihnen allen, die sie sich auf die Eingliederung in die Kirche, auf Taufe, Firmung und Eucharistie vorbereiten wünsche ich, dass sie im Blick auf ihr Leben und ihren Lebensweg immer wieder erfahren und spüren, was mir beim Lesen ihrer Briefe in den Sinn gekommen ist:
Ich schaue dem lieben Gott beim Arbeiten zu! Gott ist am Werk – in meinem Leben!