Das war unsere Wallfahrt nach Einsiedeln

Nach Altötting im Jahr 2000 und Mariazell fünf Jahre später, war heuer der Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln das Ziel der Wallfahrt der in der Arbeitsgemeinschaft der Katholischen Blindenorgani-sationen zusammengeschlossenen Verbände. Die Deutschen nahmen fünf Tage lang Quartier im Schweizer Marien-Wallfahrtsort, die Südtirol blieben über das Wochenende, die Schweizer und wir Österreicher kamen nur zum gemeinsamen Wallfahrtstag am letzten Samstag im August: Und da waren es fast 300 Pilger, die der Einladung der Vorsitzenden Gerlinde Gregori gefolgt waren, am Vormittag gemeinsam die Wallfahrtsmesse in der riesigen Stiftskirche feierten, am Nachmittag Austausch und Begegnung suchten und als letztes Gemeinsames mit den Einsiedler Benediktiner-Mönchen die Vesper feierten.

Ein berührendes Miteinander
Der erste schöne Eindruck war für mich das Zusammentreffen der fast 300 Pilger aus dem deutschen Sprachraum vor der Klosterpforte. Das war doch ein freudiges Begrüßen, herzliches Hände-schütteln, Umarmen und fröhliches Geplauder! Beim Mittagessen und später am Nachmittag im Oratorium des Klosters setze sich die Wiedersehensfreude fort.
Einen ganz besonderen Eindruck machte auf mich das gemeinsame Feiern der Heiligen Messe mit den Mönchen, ihr beeindruckender Gesang besonders zum Halleluja, die einfühlsamen Worte von Abt Martin Werlen bei der Predigt und der wunderschöne Klang der uns begleitenden Orgel. Es war ein sehr festliches und berührendes Miteinandersein. So passten für mich die Worte des Hl. Augustinus, der am 28. August seinen Festtag hatte, und die zugleich das Motto für unsere Wallfahrt waren: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir, o Gott!“   
 

Irmgard Uhl
 

Auf Frühlingswallfahrt ins Burgenland
 
Unsere Wallfahrt ging diesmal am 24. April nach Klingenbach, einem Ort an der Grenze zu Ungarn. Dort trafen wir Magda Pinterits. Sie wird die Interessen des Blindenapostolates in der Behinderten-seelsorge des Burgenlandes vertreten. Das Referat im Pastoralamt der Diözese Eisenstadt leitet Frau Magistra Alexandra Moritz. 
Pfarrer Krojer von Klingenbach und Magda luden uns in ihre Pfarrkirche ein, wo sich zu dieser Zeit gerade die Wander-Muttergottes befand. Sie wandert schon 33 Jahre lang von Pfarre zu Pfarre durch das ganze Burgenland.
Wir feierten mit der Pfarrgemeinde eine festliche und von Magda Pinterits und Hedi Scheiber gut vorbereitete Hl. Messe. Es wurden auch kroatische Lieder gesungen, sodass der Gottesdienst sehr lebendig war. Zuletzt gingen dann alle Gottesdienstteilnehmer an der Wandermuttergottes vorbei, einer aus Holz geschnitzten Kopie der Maria Zeller Muttergottes. Wir konnten Maria und ihr Kind gut betasten.
Diese moderne Kirche von Klingenbach vermittelte eine sehr familiäre Atmosphäre. Der Altarraum befindet sich in der Mitte des Kirchenovals und rundum angeordnet sind die Kirchenbänke. Drei bunte Fenster, in denen biblische Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament dargestellt sind und der aus Keramik-Figuren bestehende Kreuzweg schmücken den Raum.
Bei der Agape nach dem Gottesdienst wurde für uns die burgenländische Gastfreundschaft sehr spürbar. Wir wurden mit vielen guten Kuchen und den verschiedensten Getränken bewirtet. Zwischen-durch gab es nette Gespräche mit den Leuten aus dem Ort. 
Zu unserer Freude hatte sich das Wetter nach dem Mittagessen aufgeheitert. Nun ging es nach Rust, der alten Freistadt am westlichen Ufer des Neusiedlersees. Seit vielen Jahrhunderten wird hier der Weinbau gepflegt, denn begünstigt durch das gute Klima gedeiht hier der Wein besonders gut. Auch gilt Rust, eine Stadt die schon seit Jahrzehnten zum Weltkulturerbe gezählt wird, als Stadt der Störche. Unsere sehenden Freunde konnten ihre großen Nester mit den Jungen darinnen auf den Rauchfängen der stattlichen Gutshöfe, sehen.
Für unsere Gruppe war nun eine Schiffsrundfahrt am Neusiedlersee am Programm. Es war wunderschön am Schiff-Oberdeck in der Sonne zu sitzen. Endlich, nach den vielen trüben und kalten Tagen, konnten wir die warme Frühlingsluft und die Sonnenstrahlen genießen. Möwen und auch Schwalben waren zu hören, ansonsten war es noch angenehm ruhig am See.
Beim Heurigen in einem Nachbardorf ließen wir dann diesen schönen und gemütlichen Tag im fröhlichen Beisammensein und bei vielen Gesprächen ausklingen.
Um Maria zu ehren, sind wir schon zeitig am Morgen ins Burgenland gefahren und am Abend zufrieden und dankbar für den schönen, harmonischen Tag gut nach Hause gekommen. 
 
Irmgard Uhl

 

Begegnungen mit Folgen
Einkehrtag des Wiener Blindenapostolates
 
Unser diesjähriger Einkehrtag stand unter dem Motto „Begegnungen mit Jesus“. Es gibt verschiedene Berichte von solchen Begegnungen und man kann sich in der einen oder anderen dieser Gestalten selber wiederfinden. Unser Einkehrtagsleiter, Dr. Wolfgang Langer, hatte für seine Überlegungen drei bekannte biblische Erzählungen ausgewählt, die von Begegnungen mit Jesus berichten.
In der ersten Überlegung ging es um Zachäus, von dem Lukas berichtet. Er wollte Jesus sehen, muß dazu aber auf einen Baum klettern, weil er klein von Wuchs war. Jesus sieht ihn aber trotzdem und lädt sich bei ihm ein. Voll Freude steigt Zachäus vom Baum und nimmt Jesus bei sich auf. Diese unverhoffte Begegnung bewirkt offensichtlich eine solch radikale Bekehrung, dass Jesus sagen konnte: Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. – Dr. Langer ließ uns im Gespräch selbst die verschiedenen Aspekte des Charakters des Zachäus herausarbeiten, die man beim bloßen Zuhören vielleicht gar nicht so beachtet.
 
Die erste Zeugin der Auferstehung
In der zweiten Überlegung ging es um die Begegnung von Maria Magdalena mit dem auferstandenen Herrn, die Johannes in seinem Evangelium überliefert hat. Von ihr heisst es, daß sie weinend am offenen Grab stand, – und das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass sie Jesus wirklich geliebt hat. Sie war auch diejenige, die den Jüngern die Botschaft von der Auferstehung Jesu Gebracht hat. In der Tradition der alten Kirche ist sie die Erstzeugin der Auferstehung.
 
Die Schwestern Maria und Martha
Als Drittes betrachteten wir die Schwestern Martha und Maria. Sie nehmen Jesus gastfreundlich auf und während Martha sich um die Gäste kümmert, begnügt sich Maria damit, Jesus zuzuhören. Als sich Martha darüber bei Jesus beschwert, weist er sie zurecht und meint, dass nur eines wichtig sei und Maria den besseren Teil erwählt habe. Auch hier mussten wir die Feinheiten des Textes wieder selbst herausarbeiten.
 
Interessant an diesem Einkehrtag war eben dieses Mitarbeiten am Thema, was zur Folge hat, dass man es ganz anders verinnerlicht, als wenn man einfach bei einem Vortrag zuhört. So war die Begegnung dieser vier Gestalten mit Jesus nicht nur eine interessante Studie dieser Menschen, sondern auch für uns selbst eine besondere Begegnung mit dem Herrn. Dafür möchten wir Herrn Dr. Langer noch einmal herzlich danken.
 
Leonhard Gachowetz