"Auch blinde Menschen bringen anderen den Glauben", so Erich Schmid bei der 75-Jahrfeier des Blindenapostolat der Erzdiözese Wien.
Bericht über den Festakt entnommen:Erzdiözese Wien

Mit einem Festakt und einem Gottesdienst feierte das Blindenapostolat der Erzdiozöse Wien am Samstag, 6. November 2010, im Wiener Don Bosco-Haus sein 75-jähriges Bestehen.
 

 

Den langen "Weg von der Betreuung zur Inklusion" skizzierte Erich Schmid, Professor am Bundes-Blindeninstitut in Wien-Leopoldstadt, in seinem Festvortrag und beschrieb dabei auch den tiefgreifenden Wandel der Stellung behinderter Menschen in Kirche und Gesellschaft.

"Auch blinde Menschen bringen anderen den Glauben"

"Ausschlaggebend für die Gründung einer kirchlichen Einrichtung zur speziellen Betreuung blinder und sehbehinderter Menschen war im Jahr 1935 die Initiative des selbst blinden Fürsorgers Erich Indrassé. In einem Brief an das Seelsorgeinstitut der Erzdiözese hatte er auf die völlig unzureichende seelsorgliche Betreuung  Sehbehinderter aufmerksam gemacht. Schon wenige Monate später riefen Prälat Karl Rudolf und der Kamillianerpater Robert Svoboda ein Blindenapostolat ins Leben", berichtet Schmid.

Erstaunlich seien die Aktivitäten der Gruppe um Erich Indrassé gewesen: "Die Mitglieder haben in den ersten drei Jahren 250 Blinde betreut und rund 1.200 Hausbesuche durchgeführt, Vorträge, Weihnachtsfeiern und Faschingsfeiern abgehalten", so Schmid, der mit einem Appell, sich des heute manchmal als überholt angesehenen Begriffs Blindenapostolat nicht zu schämen, schloss: "Für die Neuevangelisierung braucht die Kirche Apostel und Apostelinnen. Auch blinde Menschen bringen anderen den Glauben."

Seit 35 Jahren Patenschaften für blinde Kinder in Indien

"Im Laufe der Jahre ist aus dem Blindenapostolat in Wien eine lebendige Gemeinschaft geworden, die auch in andere Bundesländer ausgestrahlt hat", bestätigte die derzeitige Leiterin Irmgard Uhl: "Wir bemühen uns sehr, auf die Bedürfnisse der Zeit einzugehen und sind immer bereit, neue, suchende Menschen aufzunehmen."

Vom überzeugenden Wirken der Missionsschwestern der Kongregation "Königin der Apostel" berichtete Veronika Kreyca. Sie hat heuer bei einem einmonatigen Aufenthalt als Volontärin in der Blindenschule Varanasi in Indien die Erziehungs- und Sozialarbeit der Schwestern kennen gelernt, die blinden Kindern aus armen Familien durch persönliche Förderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. "Viele von ihnen sind mittlerweile als Musiker, aber auch als Universitätslehrer tätig." Das Blindenapostolat Wien unterstützt die Kinder dieser Schule bereits seit 35 Jahren durch Patenschaften, die Blinde und Sehbehinderte aus Österreich übernommen haben.

Blindenstock am Altar

Dem Festgottesdienst stand Weihbischof Franz Scharl vor. Er dankte für die vielen Anstrengungen und Initiativen für sehbehinderte Menschen, die vom Auftrag Jesu "Liebt einander" getragen seien. Beim Gottesdienst mitgewirkt haben Blinde als Lektor, Kantorin und als Ministrant. Bei der Gabenprozession wurden mit Brot und Wein auch ein Blindenstock und das Gotteslob in Blindenschrift zum Altar gebracht.