Jesus-Nachfolge: Eine Einladung an alle

 

Der Einladung zu Tagen der Besinnung vom 18. bis 20. Februar im Apostolatshaus der Pallottiner am Salzburger Mönchsberg folgten Sehbehinderte und Blinde mit ihren Begleitern aus nahezu allen österreichischen Bundesländern. Das Thema „Christus-Nachfolge“ wurde in Vorträgen aufbereitet, in Gruppengesprächen vertieft, im Morgen- und Abendlob sowie bei den Eucharistiefeiern ins Gebet genommen.

 

Der Steyler Missionspater Hans Hager stelle uns anhand der Bibel das Leben und Wirken Jesu und damit seine Einladung vor, ihm nachzufolgen. Jesus berief zunächst zwölf Männer, die er aus berufsmäßigen Fischern zu „Menschenfischern“ machen wollte. Diese sollten von sich aus um weitere Mitarbeiter in der Nachfolge Jesu bemüht sein – und das sollte bis ans Ende der Weltzeit kontinuierlich so weitergehen. Die Freude über das Anbrechen des Reiches Gottes in der Welt sollte zur bewegenden Kraft in dieser Sendung werden.

 

Gott ist Ursprung allen Lebens. Er lebt in uns und will durch uns auch für andere erfahrbar und erlebbar werden. Durch die Taufe sind wir Kinder Gottes geworden. Durch die Gnade lebt und wirkt Gottes Geist in uns. In diesem Geist werden wir befähigt, Jesus nachzuahmen, ihm nachzufolgen und so im Vertrauen auf seinen Beistand auch unser Kreuz auf uns zu nehmen. – Kreuz, uns aufgebürdet in den unterschiedlichen Lebenssituationen, durch andere Menschen oder durch uns selbst, das führt uns in eine ganz persönliche Beziehung zu Jesus und lässt unser Leben wachsen in Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung. Diese Verbundenheit reicht über den Tod hinaus, weil sie nicht auf Vergängliches, sondern auf Göttliches gerichtet ist. Jesus will uns immer innerlicher werden im Loslassen irdischer Fesseln von Begierden, Stolz und dem Hochmut, sich für etwas Besseres zu halten.

 

So wird Nachfolge zu einer ständigen Um- und Hinwendung zu Jesus. Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das Wohl des anderen. Seid untereinander so gesinnt wie es dem Leben in Jesus Christus entspricht. Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen  gleich.“ Im Bild vom Weinstock und den Reben bringt Jesus seine innige Lebens- und Liebesbeziehung zu den Menschen, die ihm folgen, berührend zum Ausdruck. So kann Paulus im Brief an die Galater schreiben: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“

 

Auf Jesus schauen, ihn im Blick behalten, sich bemühen, so zu leben wie Jesus gelebt hat und auf seine Zusage vertrauen, dass er auch unter unseren Kreuzen steht und  mitgeht – das ist Nachfolge Jesu.

 

Barbara Rettenbacher von der Salzburger Cursillo-Gruppe gab einen anschaulichen Überblick über die Formen der Christus-Nachfolge durch die Jahrhunderte im jeweiligen Zeitverständnis – beginnend bei Paulus bis hinein zu den Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts.

 

Schwester Christine Koretic, Kreuzschwester aus Hall in Tirol,  gab ein sehr lebendiges Zeugnis ihrer Christus-Nachfolge im Geist des Franz von Assisi, untermalt mit kleinen Geschichten. Als Symbol für das Thema und die Sendung im eigenen Alltag überreichte sie jedem von uns ein Paar Socken als Zeichen geschwisterlicher Gesinnung und dazu den selbst verfassten Spruch

 

Wir bleiben nicht auf Vergänglichem hocken,

wir machen uns freudig auf die Socken!

Wir folgen Christus, der ist Weg, Wahrheit und Leben ­

und will ewiges Glück uns geben!

 

Die Erfahrung von Gottes Liebe, vermittelt durch seine Wort und Sakrament und durch sein schon bisheriges Bei-uns-sein sowie die heiter-harmonische Begegnung mit den übrigen Kursteilnehmern bestärkte uns in dem Entschluss, den bereits beschrittenen Weg der Nachfolge Jesu in der Gemeinschaft des Blindenapostolats weiter zu gehen im Vertrauen auf die Zusage des Herrn – bei uns zu bleiben und uns zu führen in das gemeinsame Vaterhaus ewigen Friedens und ewigen Lebens.

 

Hedi Scheiber

 

Die Bibel-Ausstellung im Dom- und Diözesanmuseum Wien war vorbildlich

 

Die Aufschrift am Eingang des Wiener Dom- und Diözesanmuseums „Diese Ausstellung lädt zum Begreifen ein!“ war für die Gruppe des Wiener Blindenapostolats genau das Richtige. Das ließen sich die Teilnehmer nicht zweimal sagen. Mit ihrer Leiterin Irmgard Uhl besichtigen sie Anfang Februar die Ausstellung „Expedition Bibel“ und genossen es so richtig, die vielen Ausstellungsobjekte berühren, teilweise auch riechen und auch einige davon sogar schmecken zu können. Irmgard Uhl: „Museen sind ja sonst eher wenig blinden-freundlich, weil das Berühren der Objekte meist verboten ist. Aber hier ist das Gegenteil der Fall. Einfach vorbildlich!“

 

Mit Hilfe ihrer sehenden Begleiter konnten die Teilnehmer der Gruppe auch die Fragen und Aufgaben auf den zahlreichen Schautafeln lösen, die das Erleben dieser vom Bibelwerk Linz konzipierten Ausstellung so lebendig macht. Ganz begeistert war der 7-jährige Norbert, der gerade mit seiner Mutter die Ausstellung besuchte. Er hatte besonderes Glück, als ihm Leonhard Gachowetz aus der aufgelegten Bibel in Blindenschrift einen ganzen Abschnitt vorlas. Der Kleine hörte ganz aufmerksam zu und konnte es gar nicht fassen, „…dass die Punkterln (Pünktchen) auf der Seite eine ganze Geschichte erzählten können.“

 

Die Ausstellung „Expedition Bibel“ ist vom Bibelwerk Linz konzipiert worden und hat in den letzten Jahren bereits mehr als 600.000 Besucher an verschiedenen Orten des deutschen Sprachraumes angelockt. Sie ist mittlerweile auch in Jerusalem gezeigt worden. Der oberösterreichische Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer hatte sie anlässlich der Abholung des Friedenslichtes im Heiligen Land eröffnet.

Dr. Franz Kogler, Leiter des Linzer Bibelwerks, versteht die Ausstellung als Dienst an den Pilgern und Pilgerinnen. Bei all den Eindrücken, die täglich auf sie bei den Führungen durch die historischen Stätten des Heiligen Landes hereinbrechen, sollten sie den Blick auf die Bibel nicht verlieren. Die Erfahrung zeige, so Kogler, dass für einen einladenden Zugang zur Bibel Christinnen und Christen nirgends so bereit sind als gerade im Ursprungsland unseres Glaubens. Die Bibelausstellung im Diözesanmuseum Wien ist noch bis 28.Mai geöffnet.

Heinz Kellner

 

Einkehrtag in Wien: Was sagt Jesus über sich? Die „Ich bin“-Worte

 
Irgendwo habe ich einmal die Behauptung gehört: Jesus hat eigentlich nie gesagt, wer er wirklich ist. So war mir die Anregung von Hedi Scheiber sehr willkommen, unseren Einkehrtag am 26. März unter das Motto der „Ich bin“-Aussagen Jesu zu stellen. Bischofsvikar Pater Michael Zacherl SJ hat diese Anregung aufgenommen und in seinen drei Überlegungen darüber gesprochen, was Jesus über sich selbst sagt und was es für uns bedeutet.
 
Wir kennen viele dieser Aussagen, mit denen Jesus durch Bilder erklären möchte, was er als seine Aufgabe sieht und wie er zu den Menschen sein möchte. Bevor er sich von den Jüngern nach dem Matthäus-Evangelium verabschiedet, sendet er sie hinaus und fügt hinzu: „…denn ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Gott in ständiger Gegenwart lebt.
Die „Ich bin“-Aussagen Jesu finden wir zum größten Teil im Johannes-Evangelium, da heißt es z. B. bei der Begegnung am Jakobsbrunnen, als das Gespräch auf den Messias kommt: „Ich bin es. Ich, der mit Dir spricht.“
Im 6. Kapitel nach der Brotvermehrung sagt Jesus: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Brot ist etwas ganz Lebenswichtiges. Im 8. Kapitel gibt es eine ganz Menge Aussagen, die mit „Ich bin“ beginnen. Etwa „Ich bin das Licht der Welt.“
 
Jesus hat nie gesagt „Ich bin Gott“ oder „Ich bin Gottes Sohn“. Aber es ist indirekt ausgedrückt, wenn er sagt: „Ich bin es“ und wer zu diesem Glauben kommt, dem werden die Sünden vergeben werden. Im Streit mit den Juden antwortet Jesus: „Noch ehe Abraham wurde, bin ich“. Etwas weiter heißt es: „Ich bin die Tür zu den Schafen“ und „Ich bin der gute Hirt.“ Im Zusammenhang mit dem Tod von Lazarus stellt Jesus fest: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Bei der Fußwaschung beim letzten Abendmahl sagt er: „Ihr nennt mich Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so, denn ich bin es.“ „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, gibt Jesu dem Thomas zur Antwort. Im 15. Kapitel finden wir die Aussage: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer“ und „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.“ Im Sakrament des Altares, der Eucharistie, die Jesus eingesetzt hat, bietet er uns an, mit ihm in Verbindung zu treten und so eng verbunden zu bleiben wie es zwischen dem Weinstock und den Reben der Fall ist.
 
Wir lernen Jesus in den Bildern, Gleichnissen und Erzählungen des Evangeliums kennen. Durch Zeugnisse und Beispiele der Mitmenschen können wir zum Glauben finden. Seit seiner Auferstehung ist er überall auf der Welt in dieser Weise erfahrbar. Paulus spricht von dem Geheimnis, dass Christus in uns ist: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Grundgelegt ist das in unserer Taufe: Wir sind eingegliedert worden in den Leib Christi, wie sich Paulus ausdrückt.
 
In den Exerzitien des heiligen Ignatius gibt es die Betrachtung „Der Ruf des Königs“. Sie empfiehlt, zu überlegen, welches Motiv Jesus bewogen hat, in diese Welt zu kommen, und wie er seine Jünger eingeladen hat teilzunehmen, das Reich Gottes in dieser Welt aufzurichten. Erst nach der Auferstehung schickt Jesus die Jünger in die ganze Welt hinaus bis an die Grenzen der Erde und er verspricht, mit ihnen zu sein. Sie sollen hinausgehen und den Menschen die frohe Botschaft zu sagen. – Auch wir sollen uns angesprochen fühlen, diesem Ruf Jesu zu folgen und mitzuziehen.
 
Leonhard Gachowetz

 

Frühlingsausflug nach „Fatima“ in  Niederösterreich und zur „Arche Noah“

 

Am Samstag, 21. Mai um 8 Uhr machte sich eine Gruppe des Wiener Blindenapostolates auf den Weg Richtung Krems in der Donau.Weiter ging es dann auf kurviger Straße, vorbei an Obst- und Weingärten, unserem Ziel entgegen, dem kleinen Fatima-Wallfahrtsort Droß, nahe bei Langenlois. Diakon Prof. Panstingl erwartete uns schon in der sehr hellen, modernen Kirche und begrüßte uns mit vollem Glockengeläute. Er erzählte mit viel Freude und Begeisterung von der Planung und Fertigstellung des Kirchenbaues, von all den Problemen die dabei gemeistert wurden. Die Fatima-Wallfahrtskirche wurde 1956 eingeweiht und war eine der ersten neu erbauten Kirchen nach dem Krieg in Österreich. Sie ist großzügig gestaltet und durch die bunten Glasfenster, in denen  Ereignisse aus dem Leben Marias  dargestellt sind, wirkt der Kirchenraum sehr freundlich, einladend und strahlt viel Geborgenheit aus.

Mit dem Pfarrer aus Lengenfeld feierten wir die Hl. Messe und zuletzt spendete er jedem von uns den Odilien-Segen.

Vor der Kirche ist eine Parkanlage, wo Marterln und Kapellchen zum Meditieren einladen. Dargestellt sind da die großen Marienwallfahrtsorte Europas – Fatima, Lourdes, Syrakus usw.

Zum Mittagessen ging es nach Langenlois zum Fiakerwirt und danach nach Schiltern in den Schaugarten „Arche Noah“.

Dieser Garten war ursprünglich der Küchengarten des Schlosses Schiltern. Jetzt werden hier viele alte und schon fast vergessene Kräuter, Gemüsesorten,  Blumen und Sträucher angepflanzt. Es wird versucht, auf diese große Pflanzenvielfalt der vergangenen Jahrhunderte aufmerksam zu machen. Unser Führer bemühte sich, uns vor allem die verschiedensten duftenden, genießbaren und sogar heilsamen Kräuter nahe zu bringen. Wir beschnupperten und verkosteten zum Beispiel Zitronen-Verbenien, Gewürzfenchel, Estragon, Zitronen und Orangen-Thymian , Currykraut, Anisminze, Anisysop, Sauerklee, Pinien-Rosmarin, die Zuckerpflanze Stevia, den rotblühenden Mandarinen-Salbei und zuletzt erfuhren wir, dass man auch die wunderschönen Blüten der Taglilien essen kann.

In  der „Arche Noah“ wachsen zum Beispiel  ungefähr 200 verschiedene Tomatensorten und es gibt ein Angebot von ca. 6.000 Samen, die hier größtenteils auch gekauft werden können. Der Besuch in dieser schönen, sorgfältig gepflegten  Gartenanlage war doch recht beeindruckend.

Nun ging es weiter zum Heurigen. Bei einem Gläschen Wein oder einem Kaiser-G’spritzten  ließen wir unsere Frühlingswallfahrt recht gemütlich und zufrieden ausklingen

Es ist gut, sich immer wieder auf den Weg zu machen, um etwas Neues kennenzulernen und es macht doppelte Freude, wenn man dies gemeinsam mit lieben Freunden tun kann.

 

Irmgard Uhl