PILGERREISE
FATIMA UND SANTIAGO DE COMPOSTELA

 


30 Personen, Blinde, Sehbehinderte und Sehende machten sich gemeinsam mit unserem Priester, Herrn Dr. Ignaz Hochholzer, am 9. Juni auf, um in Fatima am 13. Juni an den großen Feierlichkeiten teilzunehmen. Per Lufthansa-Flug ging es vorerst nach Lissabon. Die Stadt liegt am Atlantischen Ozean, im Mündungsgebiet des Rio Tejo auf sehr hügeligem Gelände, so gibt es eine Oberstadt und eine Unterstadt. Wir fuhren durch breite Straßen, Alleen, bepflanzt mit wunderschönen Bäumen; Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und Kir­chen sind teilweise mit sehr schönen und großflächigen Azülejos verziert, das sind Mosaiken aus bunten, quadratischen Fliesen. Auch die Gehsteige sind gepflastert und mit Mustern dekoriert.

Großartig ist die Hängebrücke über den breiten Rio Tejo, die der Golden-Gate-Brücke in San Francisco nachgebaut ist. Von den zahlreichen Denkmälern fällt besonders das impo­sante Christkönigs-Denkmal auf, das der Christusstatue in Rio de Janeiro nachempfunden ist, oder das Denkmal des Marquis de Pombai, eines umsichtigen und tatkräftigen Ratge­bers des Königs nach dem großen Erdbeben 1755. Durch das Beben wurde ein Großbrand ausgelöst und durch den darauf folgenden Tsunami zwei Drittel der wohlhabenden Stadt zerstört.
Sehr beeindruckend war das berühmte Jeronimus-Kloster, das im 16. Jahrhundert König Manuel errichtet hat, als Portugal das reichste Land der Welt war. Die Klosterkirche „Santa Maria" war für die portugiesischen Seefahrer sehr wichtig. Hier beteten sie bevor sie ihre großen Entdeckungsreisen begannen. Wir besuchten auch die Kathedrale, den Dom Se Patriachal, der im 12. Jahrhundert an Stelle einer Moschee im romanischen Baustil gebaut wurde, die Kirche des Sant'Antonio, unter der sich das Geburtshaus des Heiligen Antonius befindet und das „Ozeanarium", das größte Meeres-Aquarium Europas, das sich über drei große Ebenen erstreckt. Auch nach Coba de Roca am Atlantischen Ozean sind wir ge­fahren, um den westlichsten Punkt des europäischen Kontinents zu besuchen. Jeden Reisetag begannen wir mit einer besinnlichen Betrachtung durch Dr. Hochholzer. Musikalisch wurden wir von Hedi Scheiber und Evi Bahr mit ihrer Gitarre unterstützt. Da wir Lied- und Lesungstexte in Punktschrift mitgenommen hatten, waren wir für unsere täglichen Gottesdienste gut vorbereitet. In Lissabon feierten wir in der schönen Kirche Santissimo Sacramento unsere erste Hl. Messe in Portugal.
Abschied von Lissabon. Wir fuhren in nördlicher Richtung der Atlantik-Küste entlang und erreichten am Abend Fatima, unser erstes Reiseziel. Am nächsten Tag besuchten wir die Stadt Batalha mit der beeindruckenden Zisterzienserabtei, die von der UNESCO in die Liste als Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Weiter ging es nach Coimbra, der alten Universi­tätstadt, am Rio Montego gelegen, dem zweitlängsten Fluss Portugals. Wir stiegen auf den höchsten Punkt der Altstadt und besichtigten die Universität, eine der ältesten Europas, und waren auch in der Bibliothek, in der es 30.000 alte Bücher gibt. Im Kloster der Karmelitinnen
verbrachte die Seherin Lucia Jahrzehnte ihres Lebens. In der Klosterkirche Santo Cuz, die mit wunderschönen Azülejos ausgeschmückt ist, feierten wir unseren festlichen Pfingstgot- tesdienst. Am späten Abend fanden wir uns in Fatima bei der großen Basilika zum Gebet ein.
Am 13. Juni vor 94 Jahren ist Maria den drei Kindern Lucia, Jacinta und Francisco zum zwei­tenmal erschienen. Daher wird dieser Tag hier in Fatima mit einer besonders festlichen Hl. Messe gefeiert. Es war schön, mit so vielen Menschen Gottesdienst zu feiern. Das Wetter war trüb und kühl, so war es sehr angenehm, dass wir unter dem Dach einer großen Ter­rasse, gleich gegenüber der Basilika, in warme Decken eingehüllt, unsere Sitzplätze hatten. (Mehr über die Ereignisse in Fatima im Daisy-Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima: Erinnerungen der Schwester Lucia" Erhältlich in der Blindenbibliothek der CAB, Katalognum­mer 200596. Daisy-Format: 610 min. Tel. 0041-71/695 12 14 , E-Mail: verleih(at)cab-org.ch)
Mit einem Bummelzug fuhren wir am Nachmittag durch die Landschaft um Fatima, besuchten das Elternhaus von Lucia, den Friedhof und die Pfarrkirche der Kinder. Zum Ausklang des Besuches nahmen wir am späteren Abend wieder an der Lichterprozession teil. Am näch­sten Tag ging es nach Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals. Bei der Stadt-Rundfahrt fuh­ren über die Eiffelbrücke, vorbei an der Kathedrale Dom Se von Porto und am Denkmal von Heinrich, dem Seefahrer, der den Grundstein zum außergewöhnlichen Reichtum Portugals legte. In der Kirche von Santo lldefonso feierten wir unsere Hl. Messe. Am nächsten Tag war Santiago de Compostela unser Ziel. Auf der Fahrt kamen wir nach Guimares, der ersten Hauptstadt des Landes, der „Wiege Portugals", besuchten einen portugiesischen Bauernhof und die Stadt Braga, wo wir in der großen Kathedrale Gottesdienst feierten. Weiter ging es nach Norden, der Küste entlang, dann über die spanische Grenze, vorbei an einem Fjord, in dem Muscheln gezüchtet werden.

Am nächsten Tag besichtigen wir Santiago de Compostela, die Hauptstadt Galiciens, heute eine Universitätsstadt mit 30.000 Studenten. Krönung unserer Stadtbesichtigung war der Besuch der überwältigend großen Kathedrale des Hl. Jakobus. Der Dom wurde 1077 von König Alfons V. auf den Resten einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert errichtet, die über dem Grab des Heiligen gebaut worden war. Nur das Südportal ist noch erhalten und der „Portico de la Gloria", ein Meisterwerk romanischer Bildhauerkunst bis 1080. Die Mittelsäule und viele Skulpturen sind aus Granit gemeisselt und stellen überaus fein gearbeitete, biblische Figuren dar. Der barocke Hochaltar glänzt durch seinen goldenen Baldachin. Wir wollten unbedingt beim Schwingen des großen Rauchfasses dabeisein: Wir hörten es über das 30 Meter lange Seil gleiten und rochen den Weihrauchduft. Unsere letzte gemeinsame Hl. Messe feierten wir in einer prächtigen Seitenkapelle des Domes, dann stiegen wir die Stufen der Jakobus-Statue hinauf, um uns bei ihm zu verabschieden. Früh am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Porto und von dort per Flugzeug über Frankfurt nach Wen. Wohlbehalten sind wir zu Hause angekommen, noch voller Eindrücke. Es war wieder eine schöne Reise. Wir haben recht Interessantes über die Kultur Portugals erfahren, haben bei „Unserer lieben Frau von Fatima" voll Freude Gottesdienst gefeiert und waren sehr beein­druckt von der großen Ausstrahlungskraft des Hl. Jakobus über schon so viele Jahrhunderte hinweg.