REISE NACH ROM
 

29 sehbehinderte, blinde und sehende Personen flogen am 13. April mit Austrian Airlines  nach Rom.

Diesmal wollten wir uns ausschließlich der vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt widmen und im Besonderen der Mittwochs-Papstaudienz beiwohnen. Gleich am Tag unserer Ankunft besichtigten wir die Basilika St. Paul vor den Mauern, denn dort befindet sich das Grab des Völkerapostels Paulus, der der Überlieferung nach an dieser Stelle enthauptet wurde. Sie ist eine, große fünfschiffige Kirche, mit einer Vielzahl von mächtigen Säulen und sehr stimmungsvoll durch die zahlreichen Alabasterfenster, besonders geschmückt durch die Portraitmedallions aller bisherigen Päpste. In einer Nebenkapelle feierten wir unsere erste Hl. Messe in Rom.

Am nächsten Morgen gingen wir zu Fuß zum Petersplatz, um den größten Dom der Welt zu besuchen. Da standen wir nun beim Obelisken Vaticana, der um 1300 v.Chr. in Altägypten ein Kultzeichen war und auf dessen Spitze nun ein Kreuz leuchtet. Wir blickten auf den wunderschön gestalteten Platz. Vor uns war der prächtige, barocke Petersdom, geschmückt mit den Statuen der Apostel Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwert und noch vielen Figuren anderer Heiliger. Über allem erhebt sich krönend die gewaltige Kuppel. zu beiden Seiten umsäumen die Kolonnaden den so harmonisch wirkenden, ovalen Platz. Obwohl es noch am frühen Vormittag war, standen die Touristen in langen Reihen vor dem Eingang des Domes. Durch freundliche Vermittlung von Dr. Hochholzer konnten wir geleitet von Don Michele, ohne lange warten zu müssen, den Dom betreten. Gewaltig sind die Ausmaße der Kirche in Länge, Breite und Höhe. Da gibt es 800 Säulen, 390 Statuen und es finden darin 20.000 Menschen Platz. Begonnen wurde mit dem Bau dieses Domes 1506, da die alte St. Peterskirche, die im 4. Jahrhundert von Kaiser Konstantin I. über dem Grab des Apostel Petrus gebaut wurde, einzustürzen drohte. Eingeweiht wurde die prächtige Basilika im Jahr 1626. Die vielen mächtigen Säulen, der wunderschön in Ornamenten in verschiedenen Farben gestaltete Boden, die vielen Altäre und Statuen, alles Material dafür wurde von den Tempeln und Gebäuden der römischen Kaiserzeit verwendet. Der kunstvollst aus Bronze gearbeitete, prächtige Baldachin über dem Papstaltar wurde angeblich aus der riesigen Deckenverzierung des Panteon genommen. Beeindruckend sind die gewaltigen Säulen, die die Kuppel des Petersdomes tragen. Sie haben in ihrem Inneren eine gewendelte Rampe über die mit Ochsenkarren das Baumaterial zum Kuppelbau nach oben transportiert wurde.

Don Michele zeigte uns ein paar besonders aussagekräftige Grabmäler, die von Touristen sonst nicht besichtigt werden können. Das von Papst Gregor XIII., zeigt uns einen sehr selbstbewussten Mann. Er hat unter anderem die Kalenderreform im 16. Jahrhundert strikt durchgeführt. Auf seinem Grabmal ist er stolz aufrecht stehend mit der Papsttiara am Haupt und im prächtigen Papstornat dargestellt. Zu Füßen mit seinem Wappentier, einen grimmigen Drachen mit aufgerissenem Maul. Gleich ihm gegenüber ist das Grabmal einer seiner Nachfolger, des Papstes Gregor XIV., der als bescheidener, demütiger Mann auf einem Betstuhl kniend dargestellt ist, ohne Prunkgewand, die Papsttiara liegt neben ihm am Boden.

Das Grabmal von Papst Alexander IV. hat uns erstaunt. denn da lagen auf der Grabplatte, aus Marmor gemeiselt, zwei mächtige Löwen mit schönen gelockten Mähnen. Der eine friedlich schlafend, mit übereinander geschlagenen Pfoten und mit sanft geschlossenen Augen. Er träumt - und wartet? Der zweite Löwe ist schon im Erwachen, hat den Kopf erhoben und die Augen beginnen sich staunend zu öffnen. was er wohl zu sehen beginnt?

 

Unser nächstes Ziel war das Panteon, das älteste antike Gebäude Roms, das im Jahr 165 n. Chr. von Kaiser Hadrian als Tempel für alle Götter errichtet wurde. Seit dem 7. Jahrhundert ist das Panteon eine Kirche, Santa Maria Rotunda, und dadurch wurde das antike Bauwerk vor der Zerstörung bewahrt, verwendete man doch das Baumaterial der Tempel zum Bau neuer Gebäude. Die 43 m hohe gemauerte Kuppel, die in der Mitte eine Öffnung hat, ist eine vielbewunderte Meisterleistung der Antike.

Gleich gegenüber vom Panteon ist das Haus der kamillianischen Ordensgemeinschaft und dort trafen wir Pater Fredi, der uns durch die Kirche Maria Magdalena führte und uns das Sterbezimmer des heiligen Kamillus zeigte, in dem sich jetzt eine kleine Kapelle befindet. Und da gleich nebenan die Kirche der Dominikaner ist, nämlich Santa Maria Sopra Minerva, besichtigten wir auch diese. In ihr ist das Grab der heiligen Katharina von Siena.

 

Am nächsten Tag erwartete uns schon der Höhepunkt unserer Reise, die Generalaudienz des Heiligen Vaters, die am Petersplatz bei schönem Wetter stattfand. Schon früh am Morgen machten wir uns auf den Weg und waren erfreut, als wir zu unseren Plätzen in der zweiten Reihe vor dem Papst geführt wurden. Das Warten auf die Audienz verkürzten uns Darbietungen von Trommlern, Trompetern und Fahnenschwingern, die mit ihren Fahnen ein kunstvolles akrobatisches Ballett aufführten

Als die päpstlichen Fanfaren erklangen war es so weit, Papst Franziskus nahm unter einem Schirm Platz. Zuerst begann der Papst mit seiner Katechese zur Themenreihe „Familie“ mit dem besonderen Thema: Ehe.

Danach wurden die vielen Teilnehmer an der Audienz begrüßt und auch das Blindenapostolat der Erzdiözese Wien wurde mit Segenswünschen beschenkt. Doch der Höhepunkt für uns war, als Papst Franziskus besondere Gäste begrüßte und auch durch unsere Reihe kam, jeden von uns segnete und uns einen Rosenkranz in die Hand gab. Dies alles verdanken wir den umsichtigen Vorbereitungen Dr. Ignaz Hochholzers.

Am Nachmittag besuchten wir Trastevere, ein sehr volkstümliches Viertel mit vielen Bars, kleinen Restaurants und diversen Shops. Auch am Getto der Juden, das jahrhundertelang bis zur Zeit des zweiten Weltkrieges als die deutschen Truppen Rom besetzten, bewohnt war, kamen wir vorbei. Nach einer Heiligen Messe in der kleinen Kirche Santa Cecilia, ging es zum Abendessen in ein bodenständiges Restaurant.

 

Am darauffolgenden Tag, nach einer Hl. Messe in den Grotten des Petersdomes, durchwanderten wir die weitläufigen Vatikanischen Gärten, die sich am vatikanischen Hügel ausdehnen und von mächtigen Mauern umgeben sind. Es ging vorbei an antiken Figuren, etlichen munter plätschernden Brunnen, kleinen Grotten und schönen Aussichtsplätzen. Wir sahen in der Ferne das Kloster in dem Papst Benedikt XVI nun lebt und zwischen den Bäumen, das waren Pinien, Zedern und viele Palmen, leuchtete die anscheinend schwebende Kuppel des Petersdomes hervor. Den ganzen Weg begleitete uns das Gezwitscher der kleinen grünen Papageien, die einst Papst Johannes Paul II. geschenkt bekam und die sich hier sehr wohl fühlen.

Ein besonderes Highlight stand noch auf dem Tagesprogramm, der Besuch der Sixtinischen Kapelle. Es gab im Bereich vor den Museen eine Schautafel, wo man das weltberühmte Deckenfresko des Michelangelo Buonarroti studieren konnte. Es sind Ereignisse aus dem Buch Genesis dargestellt. Besonders bewundert wird die Darstellung wie Gott Adam schuf. Da unglaublich viele Besucher in den Museen unterwegs waren, konnten unsere Begleiter nur kurz die weltberühmten Fresken der Kapelle betrachten.

 

Am fünften Tag stand der Besuch der Basilika Giovanni di Laterano an erster Stelle. Sie ist die Kathedrale des Bistums Rom und eine der sieben Pilgerkirchen und ist die erste Kirche, die in Rom von Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert gebaut wurde. Sie ist schon mehrmals durch Erdbeben, Plünderungen und durch Brände zerstört, aber immer wieder neu aufgebaut worden. Sie ist eine prächtige, fünfschiffige Basilika mit gewaltigen Säulen und Nischen, in denen sich die überlebensgroßen Statuen der 12 Apostel befinden. In der mit Mosaiken aus dem 13. Jahrhundert geschmückten Apsis ist die Kathedra des Papstes, des Bischofs von Rom. Über dem Altarbereich in einem Zimborium befinden sich die Kopfreliquien der Apostel Petrus und Paulus. Der kleingemusterte, bunte Mosaikboden und die kunstvoll aus Holz geschnitzte und reich verzierte Kassettendecke ergänzen den prächtigen Anblick des Kirchenraumes. Die Fassade ist klassizistisch und davor mit 7 riesigen Figuren beeindruckend gestaltet. . Eines der acht Eingangstore ist aus Bronze und stammt aus dem Forum Romanum. Wir besichtigten auch die „heilige Stiege“. Helena, die Mutter Kaiser Konstatins I., brachte sie aus Jerusalem nach Rom. Jesus wäre über diese Stufen zu seiner Verurteilung gegangen. Auch besichtigten wir das Bapisterium, das Kaiser Konstantin I. als erstes, großes Taufbecken errichten ließ.

Die nächste Papstbasilika die wir besuchten war Santa Maria Maggiore. Sie ist die älteste und größte Marienkirche Roms. Sie wurde in den Jahren um 440 errichtet und war noch nie zerstört worden.  Sie ist eine dreischiffige Basilika mit zwei sehr Prunkvollen Nebenkapellen. In einer von ihnen befindet sich  das Gnadenbild Mariens „Salus Populi Romani“, zu dem Papst Franziskus vor und nach jeder großen Reise pilgert. “. Von 36 Säulen aus griechischem Marmor wird man durch das Hauptschiff zur Apsis geleitet, die mit einem prächtigen Mosaik, das  die Krönung Marias darstellt, geschmückt ist. Über dem Papstaltar erhebt sich ein majestätischer Baldachin. Auch aus dem 13. Jahrhundert ist der in feiner Einlegearbeit gestaltete Fußboden,  der der schönste seiner Art aller Kirchen in Rom ist. Einzigartig sind auch die alten Mosaiken aus dem 5. Jahrhundert an der Wand im Triumphbogen der Apsis. Die alte Kassettenholzdecke wurde im 16. Jahrhundert mit dem ersten Gold aus Amerika auf das prächtigste ausgestattet.   Nicht umsonst wird Santa Maria Maggiore als das Juwel Roms bezeichnet.

vor der Basilika auf dem großen Platz befindet sich eine beeindruckende, über 40 m hohe Mariensäule.       

Das Forum Romanum und das Kolosseum waren auch ein interessanter Programmpunkt. Faszinierend die Baukunst der Römer schon um 200 Jahre vor Christus. Die Tempel, Amphitheater, Wasserleitungen, Straßen, Termen und Foren, die sie errichteten und die in den drei Jahrhunderten nach Christus noch schöner und größer waren. Daneben führten sie grausame Kriege und beherrschten die damalige Welt.

Das Kolosseum, das im Jahr 80 fertiggestellt wurde, war so ein gigantisches Zeichen der Zeit. Der Grundriss des mehrstöckigen Gebäudes mit 80 Toren war eine Ellipse. Es war ein riesiges Amphitheater in dem die blutigsten Kämpfe mit Tieren und Menschen, den sogenannten Gladiatoren, ausgetragen wurden und alle zum Tod führten. Tausende Menschen wurden hingeschlachtet. Und das alles geschah zur Belustigung der Römer!

 

Den Abschluss unserer Reise bildete der Besuch der Domitilla-Katakomben. Kilometerlange Gänge in den verhältnismäßig weichen Tuffstein gegraben, führen durch das unterirdische Rom, vorbei an unzähligen Einzel- und  Doppelgräbern oder kleinen Versammlungsräumen.

Nachdenklich – nach all dem Gehörten und Gesehenen in diesen Tagen - feierten wir hier unten in den Katakomben in einer kleinen, engen und schmucklosen Kapelle unseren letzten gemeinsamen Gottesdienst in Rom.

 

Bei unserer Reise konnten wir selbstverständlich nur einen ganz kleinen Überblick über diese faszinierende Stadt gewinnen. Wir sahen die größten Kirchen, ihre berühmtesten Plätze, Monumente und Straßen, spazierten entlang des Tibers und hörten Einzelheiten über ihre fast 2700 Jahre alte Geschichte. Viel Interessantes wäre noch zu erforschen, dies lädt ein zum Wiederkommen. Also: „Arrivederci Roma“!